17. März 2007 - Thüringer Landeszeitung / "Mit Charisma und Hingabe"

Das Spielleiterteam der Passionsspiele: Justina Mathias, Wolfgang Montag und Roland Schmerbauch

Küllstedt. (tlz/ebe) Nur noch sieben Tage bis zur Premiere, zur ersten Aufführung der 3. Passionsspiele in Küllstedt. Nochmals wird es ein Wochenende intensivster Probenarbeit für die 140 Darsteller auf der Bühne und auch den Passionschor, wird bis ins Kleinste durchgespielt, ob auch technisch alles klappt. Anspannung und Erwartung, aber auch Freude haben einen Hochpunkt erreicht.

 

Weiterlesen: Bei allen Spielern, Passionisten. Ebenso bei Wolfgang Montag, Roland Schmerbauch und Justina Mathias. Haben wir alles bedacht, nichts vergessen? Immer und immer wieder stellten sich die drei diese Frage. Ob Sommerurlaub 2006, die Weihnachtsfeiertage oder in den letzten Wochen an den Abenden der Werktage oder den Wochenenden - alles mussten sie dem großen Unternehmen unterordnen. Ein Leben seit Monaten für die und mit der Passion. ,,Das mussten ja schließlich alle, die mitwirken", sagt bescheiden, aber bestimmt Wolfgang Montag. Der 47-Jährige ist der "Regisseur". Er hatte als damaliger Vorsitzender des Karnevalvereins die Idee für die ersten Passionsspiele 1996 ins Dorf getragen, mit Roland Schmerbauch zuerst den Karnevalverein, dann die Pfarrgemeinde damit entzündet. Auch wenn er die meisten Texte für das diesjährige Passionsspiel schrieb, er mit dem Blick auf die Judasrolle dem Stück 2007 eine neue Note gab, ohne dabei die Kernaussage zu verlassen, er jeden Satz der Leidensgeschichte im Kopf hat - Wolfgang Montag hält für seine Person den Ball flach. Kein Wort über eigene Leistung.

Stattdessen glühen die Augen vor Begeisterung, wenn er von der Spielschar, von dem “Gemeinschaftswerk Passion in Küllstedt" spricht und dass dieses Unternehmen nicht wie die Weltkugel bei Atlas auf einer Schulter ruht, sondern von so vielen getragen wird. Das ehrt ihn, doch jeder im Dorf und aus der Spielschar weiß, was er für die Passion gibt. Ebenso wie Roland Schmerbauch. "Wolfgang Montag und Roland Schmerbach haben uns bei den ersten und zweiten Passionsspielen mitgerissen - und sie tun es auch bei der dritten Auflage", lobt Jürgen Hagedorn. Montag ist für ihn ein Mann mit Charisma.

Roland Schmerbauch und Wolfgang Montag sprechen nicht darüber, aber die Anspannung wächst auch bei ihnen mit jedem Tag. Doch sie sind die ruhenden Pole, die Felsen in der Brandung. Und sie sind froh, dass mit Justina Mathias eine umsichtige und engagierte Organisatorin zum Spielleiterteam hinzukam.
Heute können sie sich kaum noch vorstellen, wie sie es beim ersten Mal bewerkstelligten, den Überblick zu behalten. Ohne die Datenbank, in der heute jeder Mitwirkende - ob auf der Bühne oder im Umfeld - mit Name und Telefon gespeichert ist. ,,Möglichst mit Handy, weil es immer etwas abzusprechen gilt", sagt Roland Schmerbauch aus Erfahrung. Dabei obliegt Roland Schmerbauch nicht nur mit die Verantwortung in der Spielleitung; er wird wieder mit auf der Bühne stehen und wie 2001 Pilatus darstellen. Eine zentrale Rolle. Die zentrale Stelle, wo alles zusammenlief, sich die drei zu den ,,Stabssitzungen" trafen, ist der von Dokumenten und  Büchern vollgepfropfte Kellerraum von Wolfgang Montag. Hier, wo Montag auch sein Küllstedt-Buch schrieb, wurde nachgedacht, diskutiert, entworfen, manches wieder verworfen und schließlich in den Guss gebracht, was es für die Passionsspiele bedurfte. Wer hierherkam, ging durch den   Passionseingang. ,,So heißt bei den Mitspielern der Eingang zwischen Haus und Garage zum Kellerraum", sagt Roland Schmerbauch - und war im besten Sinne passionsbeladen, brachte Gedanken und Vorschläge mit. Nicht gezählt wurden die Stunden, die das Spielleiterteam einbrachte. ,,Warum sollten wir das auch tun", sagt Justina Mathias. Nicht die Spielleitung, nicht die Küllstedter Spielerschar setzen sich bei den Spielen in Szene. Sie erzählen die Leidensgeschichte Jesu, weil diese jeden auf seine Weise im Leben berührt. Und ,,berühren" wollen die Küllstedter mit dem Passionsspiel auch alle, die zu den sechs Aufführungen kommen. ,,Der Besucher wird erleben, dass er ins Spielgeschehen hineingenommen wird, er Zusammenhänge erkennen wird, die auch seinen Alltag tangieren", sagt Wolfgang Montag. ,,Bleibt hier - wachet und betet", wenn dies im Prolog Martin Mock ausspricht, ist es auch eine Botschaft für heute.

Nicht um ein Theaterstück, ein Geschichtenerzählen, sondern um Bekenntnis und um Nachhaltigkeit geht es den Küllstedtern. Darauf haben alle unermüdlich hingearbeitet - auch das ,,Dreigestirn" Wolfgang Montag, Roland Schmerbauch und Justina Mathias. Mit Charisma, Hingabe und      Organisationstalent.

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