14. März 2007 - Thüringer Landeszeitung / "Wir sind nur ein Teil des Ganzen"

Jürgen Hagedorn spielt Jesus, Mathias Jakobi Judas

Küllstedt.(tlz/ebe) Sich mit ihren Rollen zu identifizieren - für jeden der Darsteller bei den 3. Küllstedter Passionsspielen ist das eine Grundvoraussetzung. Und wer weiß das wohl besser als Jürgen Hagedorn.
Dem 43-Jährigen wurde auch diesmal wieder die Hauptrolle übertragen: Er wird Jesus
darstellen.

 

Weiterlesen: "Würden wir alle uns nicht tief in das Passionsgeschehen hineindenken, nicht innerlich mit Anliegen und Aussage der Passion verbunden sein, wäre es nur ein Theaterstück", sagt er. Für die Spielleitung und die anderen Darsteller bestand daran nie ein Zweifel, dass Jürgen Hagedorn diesen tragenden Part der Passion wieder übernehmen solle. Denn bei den Passionsspielen 1996 und 2001 spielte er ebenfalls Jesus, füllte diese Rolle überzeugend aus. Mit Hingabe, aber auch aller Demut, wie er auch diesmal dabei ist. Warum man damals auf ihn gekommen sei? "Wahrscheinlich kam ich rein optisch deshalb in Frage, weil ich der einzige im Dorf war, der damals so lange Haare trug", meint er.
Seit Wochen arbeitet Jürgen Hagedorn wie die anderen aus der Spielschar intensiv auf die erste Aufführung am 23. März hin. Die ganze Freizeit gehört seitdem der Passion. Immer wieder geht Jürgen Hagedorn seinen Text durch, ist bei mehrfachen Proben mit den Aposteln dabei. Die    Küllstedter kennen ihn als einen besonnenen, ruhigen und sachlichen Mann, der sich nie in den Vordergrund drängt. Wenn auch mit der Hauptrolle bedacht, sieht er sich doch als Teil eines Ganzen: "Es kommt auf jeden an. Nur aus der Gesamtwirkung leben die Passionsspiele in Küllstedt." Deshalb möchte er auch nicht besonders herausgestellt sein. 

Seit 13 Jahren arbeitet Jürgen Hagedorn als Sozialarbeiter im Netzwerk der Villa Lampe. Zu DDR-Zeiten hatte er Autoschlosser gelernt, absolvierte dann ein Studium, das ihn für seine jetzige soziale Arbeit befähigte. Seit Jahren ist er im Bereich der Schulsozialarbeit tätig.  Doch er hat vor allem immer wieder mit Einzelschicksalen zu tun, mit Jugendlichen, die mit ihrem Leben nicht mehr allein zurecht kommen und Hilfe brauchen.

Dass in seiner Familie seit Wochen die Passionsspiele das Thema sind, liegt nicht nur an ihm. Denn seine drei Kinder wirken auch mit: Aaron (10) und Josua (15) werden die Zuschauer auf der Bühne in dem Prolog erleben, wenn es um Machtspiele unter Kindern geht und damit zum Stück hingeführt wird. Seine Tochter Tabea wird eine aus dem Volk in Jerusalem sein. "Und meine Frau hält uns den Rücken frei und trägt unseren Beitrag mit", sagt Jürgen Hagedorn. Ist die Jesus-Rolle naturgemäß die des Guten, so ist die des Judas aus der Überlieferung negativ
besetzt. Den Bösen, den Verräter darzustellen, hat Brisanz, verlangt nicht nur größere     Überwindung, sondern darstellerische Gabe. Eine wahre Herausforderung für Mathias Jakobi. Als die Spielleitung ihm antrug, die Judas-Rolle zu spielen, brauchte der 22-Jährige schon einige Bedenkzeit. "Den Verräter zu spielen, ist schließlich nicht einfach. Aber einer muss halt den  Judas darstellen", sagt der Student für Deutsch und Geschichte.
Das mag ihm Trost sein: Dass die 3. Passionsspiele eine andere Sicht auf Judas haben, er eben nicht schlechthin als der Verräter vorgeführt wird, sondern als einer, der eine Mission erfüllen, Jesus überreden will, für die Juden zum Befreiungskämpfer zu werden und diese vom römischen Joch zu befreien. Erst als Jesus dies nicht tut, wird Judas zum Verräter. Sechs Mal wird Mathias Jakobi in dieser wohl schwierigsten Rolle des Passionsspiels in Erscheinung treten. Da war seine Aufgabe bei den Passionsspielen 2001 einfacher, spielerischer: Er war der  Messerschleifer. Damals ein Darsteller aus der Rahmenhandlung, hat Mathias Jakobi nun eine der Hauptrollen.    

Um die besondere Aufgabe weiß er, hat auch einigen Respekt davor, nimmt sie aber an. Ein wenig Lampenfieber aber habe er schon, gesteht Mathias Jakobi. Doch damit steht er nicht
allein. "Das geht mir nicht anders", macht Jürgen Hagedorn ihm Mut - und unterstreicht dabei nochmals: "Wir  sind nur ein Teil des Ganzen."

 

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