02. April 2001 - Thüringer Landeszeitung / "Hingebungsvoll und voll Trost"

Großartige Premiere der 2. Küllstedter Passionsspiele - Zuschauer spendeten stehen minutenlang Beifall.

Küllstedt. (tlz/ebe) tl_files/Passion/Presse/2001/02_04_2001tlz_4.JPGFür zweieinhalb Stunden wurde am Samstagabend in der Küllstedter Kirche die Passion Jesu lebendig. Zweienhalb Stunden - ohne Pause - verfolgten die Zuschauer gebannt und begeistert die Aufführung der 2. Küllstedter Passionsspiele, für die der Altarraum zur bis in den Mittelgang zu den Zuschauern verlängerten Bühne umgestaltet war.

 

Weiterlesen: Raffinierte Lichteffekte und eine brilliante wie äußerst feinfühlige musikalische Umrahmung durch Organist Dietmar Ackermann und Kirchenchor umrahmten eine absolut fehlerfreie Inszenierung, die in Erstaunen versetzte. Vor ausverkauftem "Haus" wurde die mit Spannung erwartete Premiere der 2. Küllstedter Passionsspiele unter Spielleitung von Wolfgang Montag und Roland Schmerbauch zum vollen Erfolg, einem tiefen, nachhaltigen Erlebnis.

Die ca. 800 Sitzplätz in der größten Dorfkirche der Eichsfeldes reichten nicht, allen Platz zu bieten. Gut 100 nahmen darüber hinaus mit einem Stehplatz vorlieb, waren doch die Sitzplätze der noch folgenden drei Aufführungen bereits ausverkauft.
Knapp 130 Mitwirkende, ausschließlich Laienkünstler - vorwiegend Mitglieder der Küllstedter Karnevalvereins (KCV) als Hauptinitiator, vom Kirchenchor "St Cäcilia" und weitere Küllstedter wagten sich wie 1996 erneut an eine künstlerische Herausvorderung: Sie stellten in vier Sequenzen - Abendmahl, Verurteilung, Kreuzweg, Kreuzigung - die Leidensgeschichte Jesu dar. So sehr bei dem getragenen Inhalt die Bezeichnung "glanzvoll und "bravourös" unpassend erscheinen, so sind diese Prädikate doch unumgänglich, weil treffend. Solch überwältigendes Passionsspiel hat das Eichsfeld noch nicht erlebt. Die Küllstedter Passionsschar spielte überzeugend und wahrhaftig.
"Ich danke der Pfarrgemeinde und dem KCV, dass sie dies möglich werden ließen", so Pfarrer Hentrich sichtlich überwältigt.
 
tl_files/Passion/Presse/2001/02_04_2001tlz_3.JPGNaturgemäß zogen die Hauptdarsteller besondere Aufmerksamkeit auf sich. Und so setzten ein überragender Jürgen Hagedorn als Jesus, Roland Schmerbauch als Pilatus, Wolfgang Ladermann als Petrus, Anita Dietrich als Maria Magdalena, Peter Arndt als Kaiphas und Ronald Bode als Judas die szenischen Akzente.

 

 

Aber das Stück lebte von der homogen Gesamtleistung aller Mitwirkenden, vom spielenden Kind über die römischen Soldaten und Apostelschar bis zu den Hauptdarstellern.

Die Hingabe aller war zu spüren. Fast jede Küllstedter Familie war in die Passionsdarstellung oder Vorbereitung einge-bunden. Da spulten nicht Schauspieler einen Text ab. Da setzten vielmehr Christen Glaubensgeschichte und -lehre überzeugend ins Bild. So unverkennbar der Oberammergauer Einfluss mit Anlehnung an jene Texte, so haben die Küllstedter Passionsspiele in der Einbeziehung der Zuschauer eine Besonderheit. Überwältigend wie die Küllstedter das Feilschen der Händler im Tempel darstellten, die Händler auf die Zuschauer zu wirbelten.
Die schwer umzusetzende Auferstehungsszene lösten die Küllstedter genial. Angela Mock sang Bonhoefers "Von guten Mächten". Die Zuschauer waren hingerissen. Als ein großes Dankgebet schickte sie mit ihrer wunderbaren Stimme die Verse zum Himmel, lösten sich in ihrem Gesang die kurz zuvor von Jesus hinausgeschrieene Todesangst und Verzweiflung auf in Hoffnung und Trost.
Und dann der Schluss: Der Messerschleifer (Matthias Jakobi) rollt wie am Anfang seinen Schleifstein auf die Bühne. Doch nun spricht er die Zuschauer an, für Christus Arme, Beine und Augen zu sein. Die Zuschauer erheben sich von den Plätzen. Minutenlang applaudieren sie. Dank für einen großartigen Abend.

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